Modellprojekt Qualitätssicherung für niedergelassene analytische Psychotherapeuten in NRW (QNAP) 2001 - 2004
Das Projekt „Qualitätssicherung für niedergelassene analytische Psychotherapeuten“ (QNAP) ist eines der ersten QS-Projekte von niedergelassenen Psychotherapeuten in der BRD, durchgeführt von Psychoanalytikern in NRW von 2001 bis 2004.
Es wurde initiiert von der Arbeitsgruppe Qualitätssicherung des „Arbeitskreises Freiberuflich Tätiger Analytischer Psychotherapeuten in NRW“ e.V. (AFTAP), einem Verein von niedergelassenen Psychoanalytikern. Die Arbeitsgruppe (Jutta Baur-Morlok, Dr. Kurt Husemann, Bettina Mudrich, Dr. Dr. Stefan Nagel, Leitung: Beatrice Piechotta) beschäftigt sich seit 1996 mit Qualitätssicherung (QS) in der ambulanten Psychotherapie.
Hintergrund für das Projekt war die Forderung nach objektiven Daten für die Qualitätssicherung in der ambulanten Psychotherapie, und die kritische Auseinandersetzung vieler niedergelassener Psychotherapeuten und Psychoanalytiker mit den vorgeschlagenen QS-Maßnahmen (z.B. der Psy-BaDo), die sowohl hinsichtlich der Instrumente, als auch der Vorgehensweise für ungeeignet gehalten wurden. Auf der Suche nach besser geeigneten QS-Verfahren entschied sich die Arbeitsgruppe dafür, ein Konzept von Professor G. Rudolf, Heidelberg, zu erproben. Dieses Konzept stellt unter dem Namen „Qualitätssicherung für Psychotherapeutische Praxen (QPP)“ eine Testbatterie und Elemente der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD) zusammen.
Ziel des Projektes war von Seiten der Initiatoren: Die Eignung, Nützlichkeit und Praktikabilität dieses Konzeptes für die Qualitätssicherung von Psychoanalytikern soll im Praxistest untersucht werden, um daraus Schlüsse für das weitere Vorgehen hinsichtlich QS ziehen zu können. Es ging nicht – wie bei anderen QS-Projekten – darum, anhand der Auswertung von Behandlungsdaten die Qualität der Arbeit für gesichert oder nachgewiesen zu erklären. Das Wesentliche des Projektes bestand darin, daß berufserfahrene niedergelassene Psychoanalytiker ihre professionell begründeten Einschätzung äußern, ob die eingesetzten Instrumente und deren Auswertung geeignet sind, Krankheitsbild und Behandlungsergebnisse zutreffend abzubilden, auf Qualitätsmängel oder -blockaden in den Behandlungen aufmerksam zu machen, und neue Verstehens- und Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen.
Daher plante die Projektgruppe von vornherein eine Evaluation. Sie formulierte vor Beginn des Projektes Anforderungen und Fragestellungen, anhand derer der Nutzen des QS-Konzeptes QPP beurteilt werden sollte:
- Neue, zusätzliche QS-Maßnahmen sollen die bereits praktizierte Eigenverantwortung der Therapeuten für die Qualitätsüberprüfung und -verbesserung nicht durch externe Kontrolle einschränken, sondern weiter fördern.
- QS-Instrumente, die Psychoanalytikern verwertbare Hinweise für die Therapie geben sollen, dürfen sich nicht auf Symptome beschränken, sondern müssen auch die Bereiche (Beziehung, Konflikte, Struktur) erfassen und abbilden, die in der analytischen Psychotherapie behandlungsrelevant sind.
- Eine Maßnahme, das darauf abzielt, Ergebnisse zu verbessern, sollte nicht nur am Anfang und Ende, sondern auch im Verlauf der Behandlung ansetzen und entscheidungsrelevante Informationen zur Prozeßqualität geben.
- Eine systematisierte Dokumentation wesentlicher Aspekte der Therapie, die mehr Transparenz über die höchst subjektiven und individuellen Abläufe in der Psychotherapie herstellen soll, sollte die subjektiven Einschätzungen vom Therapeut und Patient möglichst zutreffend darstellen.
- QS-Maßnahmen sollten möglichst wenig in den Therapieprozeß und in die therapeutische Beziehung störend eingreifen.
- QS-Maßnahmen, die zusätzlich zu den bisherigen, arbeitsaufwendigen Maßnahmen (Gutachterverfahren) durchgeführt werden, müssen im Routineeinsatz in der Praxis handhabbar sein, sie müssen einen direkten Nutzen für die Anwender bringen, und der Zeit- und Kostenaufwand muß in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen stehen.
- Die Projekt-Laufzeit muß lang genug sein, um analytische Psychotherapien bis zum Ende verfolgen zu können und eine Katamnese nach frühestens einem halben Jahr zu ermöglichen, also 4 – 5 Jahre.
Die Mitglieder der analytischen Institute und der Analytiker-Verbände in NRW wurden zur Teilnahme eingeladen; es nahmen 30 niedergelassene Psychoanalytiker teil.
Der Bericht über das Projekt und seine Evaluation ist veröffentlicht im Forum der Psychoanalyse 4/08 unter dem Titel: Qualitätssicherung für niedergelassene analytische Psychotherapeuten (QNAP).
30.12.08 Piechotta
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